Warum klingt so viel KI-Text gleich?

Du liest eine E-Mail von einem Kollegen, dann einen Beitrag einer Bekannten auf LinkedIn, dann noch eine Produktbeschreibung in einem Online-Shop. Alle drei fühlen sich seltsam ähnlich an, obwohl sie nichts miteinander zu tun haben. Derselbe glatte Ton, dieselben Wendungen, dieselbe leise Distanz, die dir sagt: Hier war jemand nicht ganz bei sich selbst. Beweisen kannst du es nicht immer, aber du spürst es sofort. Und meistens hast du recht damit: KI-Texte klingen gleich, weil sie fast alle aus derselben Quelle kommen – auch wenn ganz unterschiedliche Menschen sie geschrieben haben.
Warum eigentlich? Wenn doch jeder, der mit einer KI schreibt, etwas anderes sagen will, mit einer eigenen Geschichte, einem eigenen Anliegen – warum landet am Ende doch wieder derselbe Tonfall?
Das Problem: KI-Texte klingen gleich
Stell dir vor, du bittest die KI: «Schreib mir eine E-Mail an meinen Chef, ich möchte mehr Lohn.» Innert Sekunden bekommst du einen Text zurück. Er ist höflich, korrekt aufgebaut, ohne Fehler. Und trotzdem klingt er, als hätte ihn niemand geschrieben – oder besser gesagt: als hätte ihn jeder geschrieben. Wörter wie «proaktive Leistungsbereitschaft» tauchen auf, obwohl du selbst nie so sprichst. Du liest die Mail und denkst: Das bin nicht ich.
Dasselbe passiert bei Produktbeschreibungen, bei Geburtstagsgrüssen, bei der kurzen Biografie fürs Vereinsheft. Alles klingt kompetent. Nichts klingt nach einer bestimmten Person. Es ist, als hätte ein sehr höflicher, sehr durchschnittlicher Fremder Platz genommen und für dich gesprochen.
Warum KI-Texte klingen gleich
Der Grund liegt nicht darin, dass die Technik schlecht wäre. Er liegt darin, wie die meisten Menschen mit ihr sprechen – nämlich ohne ihr zu sagen, wer gerade schreiben soll.
Ohne genauere Angabe fällt eine KI automatisch in ihre Werkseinstellung zurück: den Tonfall eines neutralen, höflichen Lexikons. Das ist keine Absicht und keine Faulheit der Maschine, sondern einfach das, was passiert, wenn ihr niemand ein Gesicht gegeben hat. Sie hat kein «Ich», solange du ihr keins vorgibst. Also greift sie auf den Durchschnitt zurück – auf das, was in unzähligen ähnlichen Texten am häufigsten vorkam. Was hinter solchen Begriffen rund um KI genau steckt, erklärt dieses Glossar von SRF in einfachen Worten.
Ein Text über gesunde Ernährung liest sich völlig anders, wenn ihn ein strenger Ernährungsmediziner schreibt, als wenn ihn ein aufmunternder Fitness-Coach verfasst. Beide meinen es ernst, beide haben recht – aber ihre Stimmen sind komplett verschieden. Eine KI kann genau diesen Unterschied erzeugen. Nur tut sie es nicht von selbst. Sie braucht jemanden, der ihr sagt, wessen Stimme sie gerade sprechen soll. Ohne dieses eine Signal bleibt sie in der Mitte stehen – höflich, korrekt, und komplett austauschbar.
Was es kostet
Am Anfang scheint das kein grosses Problem zu sein. Der Text ist ja lesbar, die Rechtschreibung stimmt, es geht schnell. Aber mit der Zeit summiert sich etwas anderes: Du verschickst Nachrichten, die nicht nach dir klingen. Kolleginnen, Kunden, Freunde spüren eine leise Distanz, auch wenn sie nicht benennen können, woher sie kommt. Und irgendwann merkst du selbst, dass du dich hinter deinen eigenen Texten versteckst, statt durch sie sichtbar zu werden.
Das ist besonders unangenehm dort, wo Vertrauen zählt: bei einer Bewerbung, bei einer persönlichen Nachricht, bei allem, wo jemand eigentlich dich hören möchte und keine höfliche Durchschnittsstimme. Wer merkt, dass ein Text «irgendwie nach KI klingt», reagiert oft mit einem kleinen Vertrauensverlust – selbst wenn inhaltlich alles stimmt.
Mit der Zeit passiert noch etwas anderes: Du gewöhnst dich an diesen Durchschnittston, weil er so bequem ist. Du liest ihn, findest ihn in Ordnung, verschickst ihn – und merkst gar nicht mehr, wie sehr er sich von deiner eigenen Sprache unterscheidet. Genau deshalb fällt vielen erst nach einer Weile auf, an wie vielen Stellen im Alltag KI-Texte klingen gleich – bei der Mail an den Vermieter, bei der Antwort im Kundenservice, sogar bei der Karte zum Geburtstag.
So klingen KI-Texte nicht mehr gleich
Die gute Nachricht: Dieses Problem lässt sich lösen, ohne dass du auf KI verzichten musst. Es geht nicht darum, weniger KI zu nutzen, sondern ihr vorher zu sagen, wer gerade sprechen soll. Eine einzige Anweisung reicht oft schon, um aus einem austauschbaren Text einen zu machen, der eine erkennbare Stimme hat.
Ein erster Schritt, den du heute noch tun kannst: Bevor du die KI das nächste Mal um einen Text bittest, gib ihr zuerst eine Rolle. Schreib zum Beispiel: «Schreib das aus der Sicht einer direkten, warmherzigen Person, die kurze Sätze mag und keine Floskeln verwendet» – oder eine Beschreibung, die zu dir passt. Dieser eine Satz davor verändert oft schon den ganzen Ton des Ergebnisses.
Wie du solche Rollen gezielt aufbaust, sodass jeder Text wirklich nach dir – oder nach deinem Unternehmen, deiner Marke – klingt, zeigt dir das Hörbuch „KI im Alltag nutzen und Zeit sparen“ ganz genau, Schritt für Schritt.
Dieses Thema wird im Hörbuch „Band 3 – KI im Alltag nutzen und Zeit sparen“ klar und verständlich Schritt für Schritt erklärt — ohne Vorkenntnisse, ohne Fachbegriffe.
